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Auswirkungen von Corona auf das Tagungsgeschäft

Corona hat uns Anfang des Jahres alle schwer getroffen. Schnell kam der Lockdown und damit blieben auf unbestimmte Zeit viele Geschäfte, Hotels und Firmen erst einmal geschlossen. Heute sind die Türen zwar wieder geöffnet, doch das Geschäft bleibt weiterhin sehr eingeschränkt. Welche Auswirkungen Corona auf die Hotels im Schwarzwald hatte und wie Stand heute damit umgegangen wird, klären wir mit Diane Hergarden, Mitglied der Geschäftsführung des Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee in einem Interview.

Liebe Frau Hergarden, Sie gehören mit dem Vier Jahreszeiten am Schluchsee zu einem der beliebtesten und größten Ferienhotels im Hochschwarzwald. Auch Sie sind seit Beginn der Krise von Einschränkungen betroffen. Wie haben Sie diese schwierige Zeit erlebt? 

Es liegen herausfordernde Wochen hinter und auch noch vor uns, denn wir wissen alle nicht, wie sich die Auswirkungen der Pandemie in den nächsten Monaten wirtschaftlich entwickeln wird. Neben der Sorge um die betriebswirtschaftlichen Aspekte, hat uns besonders die Situation einiger unserer Mitarbeiter belastet. Bei uns arbeiten über 30 verschiedene Nationalitäten, und die einzelnen Schicksale, die durch den Lockdown entstanden sind, waren für viele sehr hart. Manche Mitarbeiter konnten nicht mehr in ihr Heimatland einreisen. Besonders betroffen sind unsere Ayurveda-Mitarbeiter aus Sri Lanka, die bereits im März nach Hause zu ihren Familien fliegen wollten und bis heute nicht von hier wegkommen - zuerst war der Flughafen über Monate geschlossen und bis heute wird kaum jemand ins Land gelassen, vor Angst, dass die Infiziertenzahlen steigen.

Wir waren bis zuletzt hin- und hergerissen, ob wir den Termin zur Wiedereröffnung am 29. Mai realisieren sollen bzw. können. Es war das Pfingstwochenende, das üblicherweise bis auf das letzte Bett ausgebucht ist, und am Schluss sind gerade noch eine Handvoll Gäste übriggeblieben, die sich trauten, anzureisen. Wir haben spontan eine Aktion für Mitarbeiter ins Leben gerufen: Alle durften mit ihren Familien 2 Nächte bei uns Urlaub machen und alle Einrichtungen wie Restaurants, Wellness, Bar, Animation etc. nutzen – natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen. Damit wollten wir zum einen unser Hygiene- und Sicherheitskonzept testen und zum anderen jedem Mitarbeiter die Gelegenheit geben, das Hotel und ihren Arbeitsplatz einmal aus der Sicht eines Gastes zu erleben.

Die Buchungen für den Juni verliefen sehr schleppend und ließen uns zunächst nichts Gutes für den Sommer erwarten. Zum Glück haben sich unsere Befürchtungen nicht bestätigt und wir konnten ab Juli sehr gute Belegungszahlen verzeichnen, die im Moment auch anhalten. Durch das Erleben dieser Pandemie und des damit verbundenen Komplett-Lockdown ist etwas passiert, das wir nie für möglich gehalten haben: Dass die ganze Welt, unabhängig von Branchen und Nationen zum Stillstand kommt. Das hat uns eine Ohnmacht und Angreifbarkeit erleben lassen. Wir sind froh und dankbar, dass unser Betrieb wieder läuft, dennoch ist keine Planungssicherheit mehr da. Eine ähnliche Situation könnte sich jederzeit wiederholen. 

Ihr Hotel hat im März 2020 als erstes Ferienhotel den Betrieb für einige Wochen eingestellt. Wie haben Sie diese Zeit genutzt? Gibt es nun im Nachhinein betrachtet bestimmte Learnings, die Sie aus der Krise ziehen?

Wir haben uns am 13./14.03. entschieden, unser Hotel aus freien Stücken zu schließen, da uns bei einer durchschnittlichen Zahl zwischen 500 und 600 Personen im Haus das Risiko zu hoch war und zu dem Zeitpunkt bereits bekannt war, dass die Schweiz die Grenzen schließt und schon die ersten Hotels, z. B. in Bayern, aufgrund Infektionen schließen mussten. Unmittelbar nach der Schließung haben wir mit der Sanierung von rund 100 Badezimmern begonnen. Weitere Bau- und Renovierungsarbeiten folgten: Sanierung der Hotelbalkone, Asphaltarbeiten, Maler- und Teppicharbeiten. Es waren täglich um die 50 Mitarbeiter aus der Technik und anderen Abteilungen beschäftigt.

Unser Learning bzw. die Erkenntnis, die wir aus der Zwangsschließung gezogen haben, lässt sich mit einem Sprichwort von Goethe am besten auf den Punkt bringen: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

Im späten Frühjahr 2020 wurden die Unterkünfte und auch die Gastronomie schrittweise wieder geöffnet. Wie konnten Sie die gesetzlichen Bestimmungen, wie z.B. Hygiene- und Abstandsregelungen in Ihrem Haus umsetzen? Wie reagieren Ihre Gäste darauf?

Indem wir uns durch die dutzenden von Verordnungen für die einzelnen Bereiche (Beherbergung/Gaststätten/Schwimmbad/Sauna/Wellness etc.) durchgearbeitet und umgesetzt haben – sei es in Sachen Abständen in den Restaurants, Schutzscheiben an den Rezeptionen, Mund-& Nasenschutz für Mitarbeiter und Gäste - oder die Hinzuziehung von Fachfirmen (z. B. für den Bereich Desinfektion . Jeder einzelne Mitarbeiter wurde vor der Wiedereröffnung am 29.05. geschult und geprüft. Wir haben im Mai alle Gäste über Mailings, Informationen auf der Website und Prestayletter angeschrieben und über unsere weitreichenden Maßnahmen informiert – die Reaktion unserer Gäste war und ist sehr positiv und sie halten sich im Großen und Ganzen an die Maßnahmen.

Neben den vielen Wellnessangeboten wird Ihr Haus unter anderem auch gerne für Tagungen und Veranstaltungen genutzt. Finden diese momentan bei Ihnen statt und falls ja, wie verläuft so eine Veranstaltung oder ein Seminar bei Ihnen im Haus unter den aktuellen Umständen?

Der Tagungsmarkt ist so gut wie komplett eingebrochen und nahezu auf Null. Dennoch gab es im August ein paar wenige Tagungen. Jeder unserer Veranstaltungsräume wurde nach den Vorgaben für die Abstandsregeln bestuhlt und somit die maximale Teilnehmerzahl reduziert. Das bedeutet, dass wir nur ca. ein Drittel der regulären Raumkapazitäten anbieten können. Bei den Tagungspausen sowie bei den gemeinsamen Mittag- und Abendessen halten wir sowohl bei den Buffets als auch den gesetzten Essen ebenfalls alle behördlichen Empfehlungen wie Mindestabstände und Hygienebedingungen ein.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung für Veranstaltungen ein und wie wirken Sie dem entgegen?

Wir gehen davon aus, dass sich der Veranstaltungsmarkt stark verändern wird und Tagungen, wie wir sie bisher kannten, nicht mehr in dem Stil wie bisher durchgeführt werden, insbesondere Großveranstaltungen, wo die Abstandsregeln nicht garantiert werden können, fallen weg. Im Juli haben wir uns deshalb dafür entschieden, in die Technik für „Hybride Tagungen“ zu investieren. Diese bauen wir nun im September noch aus und können so mittels moderner Video-, Audio- und Livestream-Technik im kleinen Kreis die Zuschaltung von Teilnehmern von überall aus ermöglichen sowie alle gängigen und vertrauten Tools in einer digitalen Gesamtform anbieten. Des Weiteren wollen wir ein weiteres Segment zukünftig noch stärker ausbauen und unseren Kunden anbieten: Incentive-Veranstaltungen und Natur-Coachings, die wir zusammen mit unseren Partnern hier im Hochschwarzwald durchführen - und dafür ist unser Standort im Hochschwarzwald natürlich prädestiniert.